Für viele wird er wohl ewig Bernd Stromberg sein – wie auch viele andere Schauspieler hat Christoph-Maria Herbst sich diesen Ruf verdient, hat er mit dem opportunistischsten Chef Deutschlands doch eine der herausragenden Figuren der jüngeren deutschen Serienlandschaft geschaffen. Und das liegt nicht alleine am schonungslosen Humor, mit dem er den Bereichsleiter der Abteilung Schadensregulierung M bis Z ausgestattet hat: Herbst hat dem rassistischen wie sexistischen Sprücheklopfer gleichzeitig eine tiefe Menschlichkeit verliehen, sodass die Figur des Stromberg immer auch menschlich geerdet bleibt. Auf den launischen Chef reduzieren lässt sich Christoph-Maria Herbst aber freilich nicht: Hinter der Maske verbirgt sich ein talentierter Theaterschauspieler, der auch in schwierigen Rollen vollends überzeugen kann.
Auf den Brettern, die die Welt bedeuten
Christoph-Maria Herbst wurde am 9. Februar 1966 in Wuppertal geboren. Der deutschen Film- und Fernsehlandschaft wäre wohl ein großer Schauspieler verloren gegangen, wäre Herbst nach dem Abitur dem Wunsch nach einer grundständigen Ausbildung zum Bankkaufmann nachgegeben. Glücklicherweise faszinierte ihn die Theaterszene seiner Geburtsstadt zunehmend, sodass er dort Fuß fasste. Die Schauspielerei alleine war dem ehrgeizigen Jungmimen jedoch bald nicht mehr genug: Nach seiner Rolle in einer Adaption des Broadway-Musicals „Barfuß im Park“ gründete Herbst gemeinsam mit einigen Kollegen das private Wuppertaler „Theater in Cronenberg“, dem bald schon eine Schauspielschule angeschlossen wurde. Herbst selbst spielte in den darauffolgenden Jahren auf verschiedenen Bühnen, so unter anderem 1989 fürs „Landestheater Burghofbühne“ als Schreiber Licht in einer Adaption von Kleists „Der zerbrochene Krug“, bevor es ihn nach einem Zwischenstopp in Hannover ans „Stadttheater Bremerhaven“ zog. Zwischen 1992 und 1996 spielte er dort den Romeo und war zudem in „Bluthochzeit“ sowie „Lederfresse“ zu bestaunen. Herbsts Leidenschaft für das Theater hält bis heute an. Berliner Theatergängern ist er beispielsweise aus dem Komödienstück „Männerhort“ bekannt, in der er von 2005 bis 2009 neben Bastian Pastewka, Michael Kessler und Jürgen Tonkel mitwirkte. Die Komödie sei für ihn die Königsdisziplin, wie er gegenüber der FAZ bekannte.
Vom Nebendarsteller zum Abteilungsleiter
Die Film- und Fernsehpersönlichkeit Christoph-Maria Herbst resultiert dagegen vor allem aus dessen Engagement in deutschen (Komödien-)Fernsehserien. Seinen TV-Einstand absolvierte Herbst 1996 in der ARD-Reihe „Sketchup“, es folgten Nebenrollen in „Balko“, „Der Clown“ und „Alarm für Cobra 11“. 2001 wurde er zum festen Bestandteil von Anke Engelkes Comedy-Format „Ladykracher“, an dem er drei Staffeln mitwirkte. Herbst erhielt dafür den „Deutschen Comedypreis“ als bester Nebendarsteller. In „Tramitz & Friends“ und „Pastewka“ war Herbst zu dieser Zeit ein gerne gesehener Gast. Im Mittelpunkt stand er erstmals mit der Büro-Comedy „Stromberg“, die tragikomische Züge trägt und vom alltäglichen Überlebenskampf in einer Versicherung erzählt. Herbsts namensgebender Chef wurde binnen weniger Episoden zum Aushängeschild und Erfolgsgaranten der Serie. Die Rolle des gehässigen Vorgesetzten, die er sich zuvor nicht zugetraut hatte, spielte er so überzeugend, dass ihm von einem Passanten auf offener Straße sogar Prügel angedroht wurden. Es ist also nicht ganz abwegig hier vom Fluch des Genies zu sprechen – die Sonnenseite seiner ikonischen Rolle waren jedenfalls zahlreiche Auszeichnungen und eine Menge Lob von Kritikern und Publikum.
Der Papa kann mehr als nur Büro
Im Kino changierte Christoph-Maria Herbst nach seinem Debut im Jahr 1998 zwischen verschiedenen Nebenrollen in Komödien, Dramen und Kinderfilmen. So gab er den Alfons Hatler in Oliver Kalkofes „Wixxer“-Filmen, arbeitete für Doris Dörrie und begleitete „Wickie“ auf seinen Abenteuern. Im Drama „Jakobs Bruder“ gefiel er als aufmüpfiger Moderator einer Call-in-Show, der die Alzheimererkrankung seiner Mutter verarbeiten muss. Steht Herbst gerade nicht vor der Kamera, so synchronisiert er Filme oder spricht Hörbücher -darunter auch eines, das er selbst verfasst hat, angeregt von seinen Erfahrungen auf dem „Traumschiff“ des ZDF. Herbst ist derart vielseitig talentiert, dass er auf seine Paraderolle als Stromberg nur bedingt angewiesen ist. Zumindest wird der Schauspieler nie wieder Pornos synchronisieren müssen – denn auch damit hat sich Herbst ins einen jungen Jahren bereits ein Zubrot verdient.