
Eines von Rick Moranis' Erfolgsgeheimnissen war sein Können, sympathische Figuren zu spielen, mit denen man mitfiebert und über die man trotzdem guten Gewissens lachen kann. Dieses Talent bewies er in den 1970ern erst im Radio, dann als Sketch-Darsteller auf der Bühne und ab 1977 zunehmend im TV.
Den Durchbruch in seinem Heimatland hatte Moranis 1980, als er zur Sketchshow „Second City Television“ dazustieß. Gemeinsam mit Dave Thomas schuf Moranis für das TV-Format die Figuren Bob & Doug McKenzie – liebenswerte Dummköpfe, die so populär wurden, dass sie 1983 einen eigenen Kinofilm spendiert bekamen: „Zwei Superflaschen räumen auf“.
Ein Jahr später war er im Action-Neo-Noir-Rockfilm „Straßen in Flammen“ zu sehen, der damals ein wirtschaftlicher Misserfolg war. Allerdings stieg der von „Alien“-Produzent Walter Hill inszenierte Flop dank seiner soghaften Bildsprache zum kultigen Geheimtipp auf!
Im selben Jahr gelang Moranis der internationale Durchbruch: In der Komödiensensation „Ghostbusters“ trat er als nerdiger Louis Tully auf, der in das übernatürliche Chaos der Titelhelden gezerrt wird. „Ghostbusters“ nahm weltweit 370 Millionen Dollar ein, allein in Deutschland (wo der Film erst 1985 startete) wurden über vier Millionen Tickets verkauft!
Moranis arbeitete anschließend erneut mit Hill zusammen und übernahm einen Part in dessen Komödie „Zum Teufel mit den Kohlen“. Er schnappte sich darüber hinaus die Hauptrolle im mit aufwändigen, praktischen Effekten und haufenweise Ohrwürmern auftrumpfenden Gruselmusical „Der kleine Horrorladen“.
Der Film, dessen Lieder vom „Arielle, die Meerjungfrau“-Duo Alan Menken & Howard Ashman stammen, ist ein absoluter Kultklassiker – ähnlich wie die 1987 gestartete „Star Wars“-Parodie „Spaceballs“. Darin spielt Moranis das Darth-Vader-Pendant Lord Helmchen. 1989 sollte dann ein richtig großes Jahr für Moranis folgen:
Er trat nicht nur in „Ghostbusters 2“ auf, sondern auch in der für zwei Academy Awards nominierten Dramödie „Eine Wahnsinnsfamilie“ von „Rush“-Regisseur Ron Howard. Darüber hinaus festigte Moranis seinen Ruf als Charmebolzen, der in effektreichen Filmspäßen glänzt, indem er die Rolle des liebenswert-schusseligen Erfinders Wayne Szalinski in Disneys „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ übernahm.
Der Film hat nicht nur einen unvergesslichen Titel, sondern wurde auch zu einem lang nachhallenden Kassenschlager: Bei einem Budget von geschätzt 18 Millionen Dollar wurden allein im Kino Einnahmen von 222,7 Millionen Dollar generiert. Es folgten eine große Präsenz in Disneys Themenparks sowie zwei Fortsetzungen (ebenfalls mit Moranis) und eine (komplett neu besetzte) Fernsehserie.
Vor Veröffentlichung des dritten „Liebling“-Films bewies Moranis weiter seine komödiantische Flexibilität, indem er in der zynisch-morbiden Komödie „Und ewig schleichen die Erben“ mitspielte sowie im familienorientierten Blockbuster „Flintstones – Die Familie Feuerstein“. Bald darauf erfolgte sein Rückzug.
Moranis' Rückzug aus dem Showgeschäft war privater Natur
Moranis heiratete 1986 die Make-Up-Künstlerin Ann Belsky, mit der er eine Familie gründete. 1991 verstarb Belsky an den Folgen einer Krebserkrankung und Moranis dünnte daraufhin die Schlagzahl seiner Projekte aus. So wollte er finanziell für seine Kinder sorgen, aber zugleich mehr Zeit für sie haben.
1997 verging ihm die Lust an diesem Balanceakt: Er entschied sich dazu, sich aus dem Entertainmentgeschäft zurückzuziehen, bis seine Kinder älter sind. Doch wie Moranis 2005 USA Today erklärte, gewöhnte er sich alsbald an sein neues Leben: „Die kleine Pause wurde zu einer längeren Pause – und dann habe ich gemerkt, dass ich [das Filmgeschäft] gar nicht vermisse.“
Konsequenterweise wurde Moranis nur noch sporadisch aktiv. 2001 übernahm er etwa eine kleine Sprechrolle im Zeichentrickfilm „Rudolph mit der roten Nase 2“. Zudem tat er sich wieder mit Bob Thomas zusammen, um die an ihre Kultfiguren Bob & Doug McKenzie angelehnten Elche in den Disney-Trickfilmen „Bärenbrüder“ und „Bärenbrüder 2“ von 2003 und 2006 zu sprechen.
Zudem kehrte Moranis 2007 für ein Fernsehspecial in die Rolle des Bob McKenzie zurück. 2018 absolvierte er einen auf „Spaceballs“ anspielenden Cameo in der Sitcom „Die Goldbergs“ und 2020 sprach er in der Dokuserie „Requisiten“ über den Dreh von „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ sowie darüber, was ihm der Film bedeutet.
2018 inszenierte Regielegende Martin Scorsese wiederum einen Mitschnitt eines gemeinsamen Bühnenauftritts des „Second City Television“-Ensembles. Die Aufzeichnung sollte bei Netflix veröffentlicht werden – doch es blieb bislang bei der reinen Ankündigung. Außerdem wurde Anfang 2020 bekannt, dass Moranis für einen vierten „Liebling“-Film in die Rolle des Wayne Szalinski zurückkehren wollte. Joe Johnston, der den Originalfilm verantwortete, sollte Regie führen, doch dann wurde aufgrund der Hochphase der Corona-Pandemie der anvisierte Dreh abgeblasen.
Daraufhin gerieten die Planungen für die Fortsetzung ins Stocken, weshalb nun unklar ist, ob der Film jemals umgesetzt wird. Wenn die vergangenen 28 Jahre aber eins gezeigt haben, dann, dass wir nicht mehr mit einem ausgewachsenen Moranis-Comeback rechnen sollten, sondern nur mit kleinen Auftritten hier und da. Und was ein anderer 90er-Star heute treibt, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Er war einer der größten 90er-Stars, der es mit Batman und Al Pacino aufnahm: Was macht eigentlich Chris O'Donnell heute?*Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.