Gareth Evans angekündigtes Martial Arts - Gangster Epos "The Raid 2" ist großaufgelegtes Action - Kino mit authentischer Härte und ansprechendem Flair der indonesischen Verbrecherkartelle. Wo der erste bereits mit genaustens choreographierten Kämpfen, die auf Gegner und Auge des Zuschauers nur so eingeprasselt sind, begeistert hat, setzt Evans Fortsetzung konzeptionell noch deutlich einen drauf und erzählt eine auch über zweieinhalb Stunden packende Geschichte, die sich bekannter Zutaten bedient und an ehrwürdigen Vorbildern wie "Infernal Affairs" oder "Der Pate" orientiert. Sicherlich ist die gewollte Bezeichnung des Begriffs Epos für "The Raid 2" im Endeffekt doch ein wenig zuviel, dafür inszeniert Evans intensive Szenen sehr kunstvoll und kann seine dramaturgischen wie dialogisch nicht ausgereiften Schwächen kaschieren. Zudem merzt der Regisseur die oft extrem sadistische Härte seines Erstlings mit hier zwar ebenfalls harter, aber situations-angemessenderer Brutalität aus. Oft, so wie in der Anfangsszene exemplarisch, nutzt die Kamera die ganze Wirkung eines Raumes oder eines Bildes durch eine allumfassende Vogelperspektive. Das richtige Gespür für die Bilder zeigt "The Raid 2" aber ebenso bei der packend inszenierten Action. Ob herabschauende Obersicht, die Innenkamera eines Autos, Slow - Motion oder Wackelkamera, der Film begeistert auf der visuellen Seite enorm. Der Score unterstützt dabei Bild und Action auf ebenso eindrucksvolle Weise auch wenn er bisweilen sogar ein wenig zu opulent daherkommt. Schauspielerisch verdient sich das Werk zwar keine Preise, aber die Darsteller machen allesamt ihr Nötigstes auf äußerst passable Weise. Dabei fällt auf das Evans keinem seiner Darsteller für eine klare One - Man - Show vertraut und seine Geschichte durch verschiedene Plotlinien differenziert. Sicherlich fällt der ein oder andere Aspekt dafür über lange Zeit unter den Tisch wie beispielsweise Rama's Arbeit als Polizeispitzel und dessen Orientierung am Geschehen, letztlich gelingt es Evans aber seine Story mit einem furiosen Schluss abzurunden. Ein schauspielerisch bemühter, aber eben einfach kämpferisch überzeugenderer Iko Uwais steht hier trotzdem als Hauptfigur im Mittelpunkt. Arifin Putra als aufstrebender Sohn Uco und Tio Pakusodewo als dessen verzweifelter Vater Bangun kommt dabei wohl der dramaturigisch ansprechendste Part entgegen und sie bleiben auch als Charaktere über den Film hinaus äußerst interessant und genre-bezogen. Neben diesen fallen vor allem Evans ausgezeichnet gewählte Killer ins Auge, die sich hier reihenweise die Klinke in die Hand geben. Wie ein schweigsamer aber eindrucksvoller Kämpfer (Cecep Arif Rahman) oder die taubstumme Alicia (Julie Estelle), die mit ihren Hammern quasi als Reminiszenz an das Asia-Action-Kino installiert ist oder der mysteriöse und sympathische Prakoso (Yayan Ruhian), der ungewollt oder gewollt nicht nur äußerlich Parallelen zu Emilio Echevarria's El Chivo aus Inarritu's „Amores Perros“ aufweist.
Fazit: Gareth Evans „The Raid 2“ schlägt seinen Vorgänger in nahezu allen Belangen und setzt mit seinem spannenden Martial Arts Fest ein deutliches Ausrufezeichen an das Actionkino der Moderne.