Streaming-Tipp: Dieser Geheimtipp mit einem "Inception"-Star ist wie ein Bungee-Sprung – rauschhaft, überraschend und ein Riesenspaß
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Yann Samuells „Liebe mich, wenn du dich traust” ist ein Liebesfilm gegen alle Normen – und ein filmisches Fest für die Sinne.

Wie weit ist man bereit, für die Liebe zu gehen? Diese Frage bekommen die Protagonist*innen von (Liebes)Filmen häufig auf die eine oder andere Weise gestellt. Die einen vergiften sich, die anderen erfrieren auf Türen im Atlantik, und die nächsten bauen ihren Angebeteten das Haus ihrer Jugendträume.

Unser heutiger Streaming-Tipp „Liebe mich, wenn du dich traust” hingegen zeigt ein Liebespaar, dessen Art und Weise, sich seine Liebe zu zeigen, ungewöhnlicher nicht sein könnte: Seit sie Kinder sind, spielen Julien (Guillaume Canet) und Sophie (Marion Cottilard) cap ou pas cap – Top oder Flop? –, ein Spiel, bei dem der eine den anderen herausfordert, etwas Bestimmtes zu tun. Der französische Originaltitel von Yann Samuells Films lautet „Jeux d’enfants”, also in etwa „Kinderspiele” – wobei die beiden Kindsköpfe mit ihren gegenseitigen Herausforderungen immer weiter gehen, am Ende gar so weit, dass die Liebe und das Leben selbst nicht nur in Frage, sondern sogar auf dem Spiel stehen.

Ihr könnt „Liebe mich, wenn du dich traust” auf Paramaount+ oder auf dem Paramount+-Channel von Amazon* streamen. Innerhalb eines Probeabos ist dies für sieben Tage kostenfrei, danach geht es für 3,99 Euro bzw. 7,99 Euro im Monat weiter:

Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Juliens und Sophies Geschichte beginnt in der Kindheit: Die beiden lernen sich kennen, als Sophie als „Dreckspolackin” gehänselt wird und Julien ihre Bücher aufhebt. Fortan sind die beiden unzertrennlich, eine Blechdose ist ihr ständiger Begleiter. Denn wer die Dose hat, der hat das Sagen. Und ihre Herausforderungen sind alternativlos: Da wird dem Rektor ins Büro gepinkelt, die Hochzeitstorte vom Tisch gerissen, letztlich dem anderen sogar der Gang vor den Altar versaut.

Was als Kinderspiel begann, zieht sich für beide bis zum Erwachsenenalter durch, entwickelt eine komplexe Dynamik und wahnhafte Züge. Immer weiter werden die Grenzen des Machbaren ausgelotet – und gleichzeitig auch die Grenzen des Zeigbaren.

Der Tyrann und der Pudding

Natürlich lebt das Spiel mit Wahnsinn und Romantik, das „Liebe mich, wenn du dich traust” letztlich ist, vom Zusammenspiel seiner Protagonist*innen. Besonders Marion Cotillard trumpft mit einer nuancierten Darstellung auf, die von verspielt bis abgründig reicht – ein kleiner Ausschnitt des Talents einer ganz Großen, die zu Recht wenige Jahre später für ihre Rolle der Édith Piaf in „La vie en rose” mit dem Oscar bedacht wurde.

Damit hat sich sogar ein kleiner Kreis geschlossen: Denn der Titelsong von „Liebe mich, wenn du dich traust”, der hier in verschiedenen Versionen für einen Ohrwurm vom Feinsten sorgt, stammt im Original von Piaf. Ebenso wie „Je ne regrette rien” – das Lied, welches ihre Figur in „Inception” nutzt, um aus ihren Träumen aufzuwachen.

Grandios mit einem Hang zum Wahnsinn: Marion Cotillard als Sophie Paramount
Grandios mit einem Hang zum Wahnsinn: Marion Cotillard als Sophie

Ein Karussell der Bilder

Lohnenswert ist „Liebe mich, wenn du dich traust” vor allem seiner Machart wegen. Denn was Yann Samuell stilistisch abliefert, ist ein cineastisch-buntes Potpourri das nicht nur Fans von „Die fabelhafte Welt der Amélie” lieben dürften. Der visuelle Stil ist bisweilen geradezu surreal. Wo Amélie einst auf dem Café-Boden zu Wasser zerrann oder sich ihr gedankliches Fabulieren auch auf der Bildebene fortgesetzt hat, stürzt Julien hier in eine Pfütze und befindet sich daraufhin direkt im Meer.

Ein Highlight ist der Moment, in dem Julien nach zehn Jahren endlich wieder von Sophie hört – und das Leben wieder in den Adern spürt. Eine rasante Verfolgungsjagd nimmt ihren Lauf, parallel montiert mit einem Fußballspiel und einer jubelnden Menge, während wir Juliens Stimme im Endorphinrausch aus dem Off hören: Sophie sei besser als jede Droge der Welt, besser als Cindy Crawfords Muttermal, besser als Pamela Andersons Lippen.

„Liebe mich, wenn du dich traust” ist ein Widerspruch in sich: Immer rasanter wird es, immer weiter dreht sich der Kreis aus Herausforderungen und Verletzungen, die die beiden sich zufügen. Das schafft am Ende eine gewisse Distanz zum Geschehen, die von der Kritik häufig auch bemängelt wurde. Und doch schafft es der Film in seiner Doppeldeutigkeit, als Anti-Romanze doch zutiefst romantisch sein.

Einen weiteren ganz besonderen Streaming-Tipp findet ihr übrigens im folgenden Artikel:

Neu im Streaming-Abo: "Twilight"-Star Kristen Stewart in einem der coolsten und stärksten Filme des Jahres 2024

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