"Der gruseligste Film, den ich je gesehen habe": Dieses Thriller-Meisterwerk war für Stanley Kubrick beängstigender als "Shining"
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Mit „Shining“ schuf Stanley Kubrick einen der in den Augen vieler Kinofans gruseligsten Filme überhaupt. Doch gegen einen niederländischen Thriller war die Stephen-King-Adaption in seinen Augen nur „Kinderkram“.

Studiocanal

Stanley Kubricks „Shining“ aus dem Jahr 1980 gilt aus guten Gründen als absolutes Genre-Meisterwerk – die FILMSTARTS-Community wählte den Klassiker sogar zum drittbesten Horrorfilm aller Zeiten. Doch ein paar Menschen würden da lauthals widersprechen. Dazu gehört etwa mit Stephen King ausgerechnet der Autor der Buchvorlage, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er Kubricks eher freie Auslegung des von ihm erdachten Ausgangsmaterials alles andere als gelungen fand.

Kubrick selbst war zwar mutmaßlich zufrieden mit seiner Schöpfung, doch auch er hätte sein Veto eingelegt, wenn ihm gegenüber jemand behauptet hätte, dass „Shining“ in Sachen Leinwandschrecken ungeschlagen ist. Denn für ihn war ein anderer Film der gruseligste überhaupt: der niederländisch-französische Thriller „Spurlos verschwunden“ aus dem Jahr 1988.

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Das ist "Spurlos verschwunden"

Im Mittelpunkt des Films stehen Rex (Gene Bervoets) und Saskia (Johanna ter Steege). Das Pärchen befindet sich auf dem Weg in den Sommerurlaub, doch als die beiden an einer Autobahnraststätte Halt machen, verschwindet Saskia plötzlich spurlos. Rex wendet sich an die örtliche Polizei, doch die agiert hilflos und scheint ihn nicht ernst zu nehmen. Eine intensive Suche beginnt, die auch nach drei Jahren ohne Ergebnis bleibt. Doch dann bekommt Rex plötzlich eine mysteriöse Postkarte, deren anonymer Absender vorgibt zu wissen, was mit Saskia passiert ist...

In einem Interview mit dem Criterion Channel hat Regisseur George Sluizer erzählt, dass sich nach der Fertigstellung niemand für den Film interessierte. Kein Verleih wollte ihn herausbringen, bis er auf das Sydney Film Festival eingeladen wurde – und das auch nur deshalb, weil noch ein Platz im Wettbewerb frei war, der irgendwie belegt werden musste.

Dort gewann er prompt den Publikumspreis, woraufhin sich endlich herumsprach, um was für ein beklemmendes Meisterwerk es sich bei „Spurlos verschwunden“ handelte. Zu den vielen Bewunderern des Films gesellte sich schließlich auch niemand Geringeres als Regielegende Stanley Kubrick („2001: Odyssee im Weltraum“).

Spurlos verschwunden
User-Wertung
3,4

„Er sah den Film und sagte mir zu meiner größten Freude, dass er ein großer Fan sei“, erzählte Sluizer in dem Gespräch mit Criterion. „Er behauptete, er habe ihn sich mindestens zehn Mal angesehen. Wir haben uns eines Tages in Los Angeles getroffen und den Film Einstellung für Einstellung besprochen. Er sagte zu mir: ‚Das ist der gruseligste Film, den ich in meinem Leben je gesehen habe.‘ Und ich antwortete: ‚Hast du ‚Shining‘ gesehen?‘ Er sagte: ‚Verglichen mit ‚Spurlos verschwunden‘ ist ‚Shining‘ Kinderkram und überhaupt nicht beängstigend!‘“

Ein höheres Lob kann man sich eigentlich nicht vorstellen! Im Jahr 1993 drehte Sluizer unter dem Titel „Spurlos“ dann ein englischsprachiges Remake seines eigenen Films, in dem u.a. Jeff Bridges, Kiefer Sutherland und Sandra Bullock zu sehen waren. Das Ergebnis war ein solider Thriller, der es aber nicht mit der Intensität des Originals aufnehmen konnte – u.a. auch deshalb, weil Sluizer dessen markerschütterndes Ende für den US-Markt abschwächen musste...

Wenn ihr wissen wollt, welches hierzulande kaum bekannte Meisterwerk der absolute Lieblingsfilm von Stanley Kubrick war, dann lest auch den folgenden Artikel:

"Der beste Film, den ich je gesehen habe": Dieses Meisterwerk erhielt das ultimative Lob von Regie-Legende Stanley Kubrick

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