Jetzt muss ich nach erneutem Anschauen dieses Films doch einmal meinen Senf dazu abgeben.
Nachdem Brosnan in drei durchaus akzeptablen Bond-Filmen mit den wichtigsten Bond-Zutaten, ordentlichen Schauspielern und wie immer hanebüchenen Storys durchaus überzeugen konnte (wenn auch etwas zu aalglatt agierend), sollte 2002 der Jubiläums-Bond folgen (40 Jahre seit Dr. No und 20. offizieller Bond-Film). Leider ging dieses Jubiläum gründlich in die Hose.
Mit dem durchaus unkoventionellen Beginn des Films (für Bond-Verhältnisse) mit Bonds Gefangennahme und Folter in Nordkorea legt das 20. 007-Abenteuer einen spektakulären Auftakt hin, der den Zuschauer durchaus hoffnungsvoll den folgenden knapp zwei Stunden entgegenfiebern lässt. Die 3-minütige, akustisch schwer erträgliche Credits-Sequenz mit dem schlechtesten Bond-Song bis zu "Quantum of Solace" wird immerhin zum ersten Mal in der Bond-Geschichte von Handlung untermalt, sodass in optischer Hinsicht trotz Computerspielereien einiges geboten wird. Unmittelbar danach geht es weiter, es gibt nicht, wie so oft üblich, eine Zäsur oder eine komplett vom Vorspann abweichende Haupthandlung. Ein durchaus überzeugender Beginn des Films, der Bond (und Brosnan) einmal von seiner verletzlichen Seite zeigt.
Ähnlich gut setzt sich die Handlung, auf Kuba, in Hongkong und London angesiedelt, bis etwa zur Hälfte des Films fort (genauer gesagt bis das Unheil auf Island seinen Lauf nimmt). Es gibt zudem einige nette Reminiszenzen an frühere Bond-Abenteuer wie die Gadgets in Q's (nun von John Cleese verkörpert) Abteilung, die zum Teil schon in früheren Bonds Verwendung fanden, die Übergabe der Uhr ("Ich glaube es ist ihre Zwanzigste") oder die Bikini-Szene Halle Berrys, die als Hommage an Ursula Andress im ersten Bond-Abenteuer (Dr. No) dient. Allerdings sind nicht alle dieser Sequenzen gelungen, so wirken die Laser in einer "Goldfinger"-Reminiszenz billiger als der Laser im 1964er-Original.
Auch wenn Bond wieder zum Raucher wird, versprüht Brosnan doch zuweilen Charme, wie z.B. als er nach einer Flucht durchs Meer mit Jesus-Mähne, Vollbart und behaarter Brust völlig durchnässt und nur mit einem Bademantel bekleidet in ein Edel-Hotel stolziert und glatt die Präsidenten-Suite bekommt. Auch die Sprüche sind z.T. recht amüsant.
Leider gilt dies nicht für die zweite Filmhälfte. Nachdem Bond in einem durchaus spektakulären Gefecht mit dem Oberbösewicht Gustav Graves (der völlig blass wirkende Toby Stephens) eine Einladung zu einer Präsentation in einem Eispalast auf Island erhält, nimmt das Unheil seinen Lauf (Glücklicherweise bleibt der Plan des Bösewichts und die Identität des selbigen lange genug im Unklaren, sodass man die erste Hälfte des Films noch recht gut genießen kann). Von nun an wird voll auf Effekte gesetzt, möglichst computeranimiert, kindgerecht-verspielt und vor allem eines: absolut übertrieben. Es bietet sich für die Darsteller-Riege keine wirkliche Form der schauspielerischen Entfaltung mehr, alles versinkt im Effekt-Wirrwarr und in Matrix-ähnlichen Kamerafahrten und wer bisherige Bond-Abenteuer für viel zu unrealistisch hielt, der wird entweder eine geschlagene halbe Stunde lang den Kopf schütteln oder sich vor Lachen nicht mehr einkriegen ob des CGI-Gewitters, welches da auf den geneigten Bond-Fan einprasselt, der doch handgemachte Action mit echten Stuntmen und gut choreographierten Verfolgungsjagden gewohnt ist. Es gibt einfach zu viele absolut an den Haaren herbeigezogene Szenen, die so billig wirken, dass sie eher in Trash-Filmen Platz finden würden. So z.B. das unsichtbare Auto Bonds, das durch aufprallendene Geschosse wieder sichtbar wird, eine Schleudersitz-180°-Wendung von Bonds auf dem Dach liegenden Auto, das Surfen auf einem Gleiterdach auf einer komplett computeranimierten Riesenwelle oder eine Helikopterflucht aus einem eigentlich völlig zerstörten Großflugzeug in mehreren Tausend Metern Höhe, das erstaunlicherweise noch weiterfliegt. Von der Superwaffe des Oberbösewichts mal ganz zu schweigen.
Hier wurde einfach maßlos übertrieben und man fragt sich ernsthaft, ob man die 140 Mio $ nicht besser hätte investieren können.
Insgesamt ist dieses Machwerk eine einzige Enttäuschung und mit Abstand der schlechteste Film der offiziellen Bond-Reihe. Zum Glück hat man 2006 dazugelernt und mit Martin Campbell einen Bond- erfahrenen Regisseur zurückgeholt, der ein Meisterwerk von einem Bond-Film schuf, insbesondere wenn man "Casino Royale" mit diesem absoluten Tiefpunkt, der sich "Stirb an einem anderen Tag" schimpft, vergleicht.