Es ist jetzt schon einige Jahre her, das ich Disney mal wieder im Kino begutachtet habe. Meine Erinnerungen gehören zu fast vergessenen Tagen mit waschechter Zeichentricktechnik und gesungenen Lehren über Freundschaft und Gerechtigkeit. Ganz ehrlich, egal wie nett sowas ausstaffiert wird, das halte in meinem fortgeschrittenen Alter dann doch nur noch bedingt aus. Umso erfreutet war ich dann, geblendet von einer noch nie dagewesenen Technik, von "Merida – Legende der Highlands", einem Film mit eindeutig feinfühligem Charme Disney's und einer innovativen und schönen Geschichte.
Die Kameras schwenken schon zu Beginn über ein Animationsparadies Schottlands, ein Traum aus Wäldern, Flüssen und Bergmassiven. Dorthinein wird man in die Welt von Merida, Prinzessin eines ansässigen Königreichs katapultiert. Merida wartet dabei als Charakter mit jugendlich – frechem Erzählstil auf, die völlig eigensinnig durch die Welt streift. Passend dazu ergänzt sich ihr Aussehen mit untypisch rotgelocktem Haar.
Neben Merida wird der "Cast" mit einigen schrillen Charakteren vollendet, besonders dabei stechen die 3 Brüder hervor, die immer für den ein oder anderen Witz gut sind, wie auch die verschrobene Hexe und Merida's Vater und dessen Brüder. Sie alle zeichnen sich trotz einiger Macken durch liebevolle Gestaltung aus. Prunkstück des Films bleibt aber die Mutter – Tochter – Beziehung, die sich durch einen Unfall als äußerst schwierig gestaltet, sowohl für Merida selbst, aber auch die Drehbuchautoren haben dadurch ein schweres Los gezogen. Leicht hätte sich der Film jetzt entweder zu trist und weinerlich, oder auch sehr albern gestalten können, aber dem Team um Mark Andrews gelingt ein wahres Kunststück. Die Geschichte ist wunderbar ausgewogen, durchdacht und auf eine weite Spanne an Altersklassen zugeschnitten.
Zudem beinhaltet der Soundtrack durchaus passende, schwungvolle Lieder für Klein und Groß, natürlich, ganz im Zeichen der Emanzipation, von Frauen, und schneller, tricktechnisch ansprechender Action, die dem Film den nötigen Esprit beisteuert, auch wenn alles trotz der Düsternis nicht dermaßen beklemmend und gefährlich wirkt, wie man es aus den Meisterwerken um "König der Löwen" kennt.
Fazit: Disney – Pixar's "Merida" ist mit düsterer, brachialer Animation, die perfekt inszeniert ist, und einer liebevollen Gestaltung mit neuen Themen und neuer Heldin ein wahrer Glückstreffer gelungen, der sicherlich hängenbleiben wird, auch weil er anders ist. Zu meiner Überraschung legt der Film die Messlatte für Animationsfilme dieses Jahr gewaltig hoch.