Gerücht oder Fakt: Sollten die sieben Zwerge in "Schneewittchen" ursprünglich von realen Menschen gespielt werden?
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Disney selbst sagt, dass nach der Kritik von Peter Dinklage noch mal Hand an die Zwerge angelegt wurde. Aber heißt das wirklich, dass die CGI-Charaktere ursprünglich tatsächlich von „echten“ Menschen verkörpert werden sollten?

Die Frage aus der Überschrift dieses Artikels ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie man meinen könnte. Selbst in der FILMSTARTS-Redaktion gab es gerade eben noch Mitglieder, die ganz selbstverständlich davon ausgingen, dass die Zwerge ursprünglich natürlich von realen Menschen gespielt werden sollten, bis sie von CGI-Charakteren ersetzt wurden. Und in einem Aufmacher-Artikel der Bild Zeitung zum Kinostart von „Schneewittchen“ wurde es erst vorgestern auch wieder als eindeutiger Fakt hingestellt.

Aber wenn man sich die Quellen und Aussagen der vergangenen Jahre mal etwas genauer ansieht, dann spricht in Wahrheit viel mehr dafür, dass die Zwerge schon von Anfang an als computeranimierte Figuren geplant waren. Stattdessen sind nach der Kritik von „Game Of Thrones“-Star Peter Dinklage wohl nur noch kleinere Änderungen an Design und Story vorgenommen wurden, wobei es bei heute noch keine konkrete Aussage von Regisseur Marc Webb gibt, welche das gewesen sein könnte. Dass das Wort „Dwarf“, das im Englischen noch mal eine verfänglichere Bedeutung hat als das Wort „Zwerg“ im Deutschen, nun im Titel und im Film kein einziges Mal mehr vorkommt, wäre etwa eine denkbare Anpassung.

Woher kommt das Gerücht überhaupt?

Soweit sich das in der Rückschau noch nachvollziehen lässt, waren es wohl zwei Dinge, die hier zusammen gespielt haben (und dabei durcheinandergeraten sind): Zum einen ist schon früh (wahrscheinlich sogar schon vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten, also etwa bei einem Kostüm-Test oder vergleichbaren Vorarbeiten) ein Setfoto geleakt, auf dem neben Schneewittchen und einem potenziellen Prinzen noch sieben weitere menschliche Charaktere zu sehen sind – darunter ein kleinwüchsiger Mann und eine Schwarze Frau. Weil es zudem noch hieß, dass die neue Version durchaus diverser und moderner werden soll, haben viele auf dieser Kombination von Foto-Leak und Info-Schnipseln den Schluss gezogen, dass es sich bei den sieben Charakteren um einen Ersatz für die Zwerge handeln könnte …

… und das hat sich dann im Anschluss verselbstständigt, bis es sich als allgemeiner Glauben verfestigt hat.

Wurden Menschen durch CGI-Zwerge ersetzt?

Die Frage ist also, wurden die Menschen auf dem geleakten Bild nachträglich durch die CGI-Zwerge ersetzt, die nun im finalen Film zu sehen sind? Es gibt neben den Dementis der Filmverantwortlichen ein Punkt, der ganz klar gegen diese Theorie spricht: Die sieben Darsteller*innen vom Foto spielen in „Schneewittchen“ neben den Zwergen nämlich ebenfalls mit, es handelt sich dabei um die Bande von Jonathan (Andrew Burnap), einem rebellischen Dieb, der aus dem Wald heraus gegen die Böse Königin (Gal Gadot) kämpft und in der Geschichte quasi die Rolle des edlen Prinzen übernimmt.

Sollte es also einer Ersetzung gegeben haben, dann hätte Drehbuchautorin Erin Cressida Wilson („Secretary“) nicht nur die menschlichen „Zwerge“ durch CGI-Zwerge austauschen, sondern im selben Moment auch noch den gar nicht unerheblichen Nebenhandlungsstrang um die Diebesbande hinzufügen müssen, nur damit die geleakten Schauspieler*innen trotz des Verlusts ihrer ursprünglichen Rollen trotzdem noch etwas zu tun bekommen …

… und so einen Aufwand, nur um eine Änderung, die man auch einfach offen kommunizieren könnte, zu kaschieren, können wir uns beim besten Willen ohne weitere Hinweise nicht vorstellen.

Wenn ihr euch noch weiter für „Schneewittchen“ interessiert, empfehlen wir euch die neueste Folge des FILMSTARTS-Podcasts Leinwandliebe, in dem Chefredakteur Christoph Petersen, YouTube-Redakteur Sebastian Gerdshikow und Moviepilot-Redakteurin Esther Stroh ausfühlich über die Kontroversen und ihren (nicht vorhandenen) Einfluss auf die Qualität des Films diskutieren:

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