"Edward mit den Scherenhänden" hat zwei große Stärken, die den Film zu einem Klassiker gemacht haben: die ausdrucksstarke, innovative Optik von Tim Burton und das herausragende Spiel von Johnny Depp.
Depps größter Verdienst ist wohl, dass er Edward trotz seinem extravaganten, horrormäßigen Aussehen letztendlich zur normalsten Figur des ganzen Films macht. Wenn Edward spricht, tut er das mit leiser, angenehmer Stimme, bei der man sich jedes Mal fragt, warum er sie denn nicht öfter benutzt. Er ist ruhig, friedliebend und trotz seiner scheinbaren Naivität hochintelligent, und diese Eigenschaften machen ihn in der lauten, quietschbunten Kulisse noch mehr zum Fremdkörper als seine Scherenhände.
Tim Burton wiederum ist es hoch anzurechnen, dass er trotz der märchenhaften Geschichte nicht die Moralkeule schwingt. Burtons Botschaften sind einfach, eigentlich selbstverständlich ("Urteile nicht nach dem Aussehen", "Rede nicht über andere Leute hinter ihrem Rücken"), doch sie durchdringen den ganzen Film mit klarer, unaufgeregter Deutlichkeit und wirken so einfach nur ehrlich. Ebenso wichtig ist, dass Burton sie mit einer spielerischen Leichtigkeit vermittelt, die das Zuschauen einfach und unterhaltsam macht.
Leider geht aber genau diese Leichtigkeit gegen Ende verloren. Das düstere und - wie ich finde - auch erschreckend unmoralische Finale wirkt für den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube. Man kann das als Kompromisslosigkeit und Konsequenz loben, doch für mich ist es unnötig und stellt einen massiven Konflikt zum vorherigen Grundton des Films dar.
Fazit: "Edward mit den Scherenhänden" ist hervorragende Unterhaltung und vermittelt zugleich unaufdringlich und locker eine ernste, ehrlich gemeinte Aussage. Nur das Finale passt für mich leider einfach nicht zum Rest des Films.