The Wrecking Crew
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
The Wrecking Crew

Einfach zu wenig Urlaubsstimmung

Von Lutz Granert

Alles begann im August 2021 mit einem Tweet von Hollywood-Star Dave Bautista (u.a. bekannt aus der „Guardians Of The Galaxy“-Filmreihe). Nachdem sie beide schon in „Dune“ mitwirkten (aber keine einzige gemeinsame Szene bestritten) und sich in der zweiten Staffel der dystopischen Sci-Fi-Serie „See“ in einem Duell gegenüberstanden, schwebe ihm eine weitere Zusammenarbeit mit Jason Momoa („Aquaman“) in einer Actionkomödie im Stile von „Lethal Weapon“ unter der Regie von David Leitch („John Wick“) vor. Die solle auf Hawaii spielen und beide in Badehosen zeigen, schob Momoa in einem Auftritt in einer Late-Night-Show nach. Nach einem Bieterwettstreit sicherte sich MGM die Rechte an der Umsetzung des Projekts – das nun reichlich enttäuschend ausfällt.

Nicht nur, dass die beiden angesagten Actionstars weitestgehend lange Hose tragen und die meiste Zeit fernab von Stränden und exotischen Postkartenansichten unterwegs sind – auch in Sachen Action hat der etwas einfallslos „The Wrecking Crew“ (was soviel bedeutet wie die „Abrissmannschaft“) betitelte Streifen unter der Regie von „Blue Beetle“-Filmemacher Angel Manuel Soto nur bedingt was zu bieten. Und der wenige Humor wird von zynischer Brachialgewalt deutlich überlagert, bei der so gar keine exotische Urlaubsstimmung aufkommen mag.

Jason Momoa hatte eigentlich angekündigt, er und Dave Bautista würden den Großteil von „The Wrecking Crew“ in Badekleidung bestreiten – doch davon ist nicht viel zu sehen. Amazon Prime Video / MGM
Jason Momoa hatte eigentlich angekündigt, er und Dave Bautista würden den Großteil von „The Wrecking Crew“ in Badekleidung bestreiten – doch davon ist nicht viel zu sehen.

James Hale (Dave Bautista) füllt als knallharter Navy-Offizier mit seiner Familie auf Hawaii ein sorgloses Leben – während der suspendierte Cop Jonny (Jason Momoa) dem Alkohol verfallen ist und gerade von seiner temperamentvollen Freundin Valentina (Morena Baccarin) verlassen wurde. Als ihr gemeinsamer Vater Walter (Brian Keaulana) unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, raufen sich die beiden voneinander entfremdeten Halbbrüder notgedrungen zusammen.

Mit rüden Methoden finden sie heraus, dass Privatdetektiv Walter den schmutzigen Geschäften der Yakuza auf der Spur war und kurz vor seinem Tod noch brisantes Material per Post an Jonny geschickt hat. Die beiden ungleichen Halbbrüder geraten damit zunehmend selbst ins Visier der japanischen Mafia...

Die brachialen Gewaltspitzen sind vieles, nur nicht lustig

Jonathan Tropper hat als einer der Autoren der knallharten Action-Serie „Banshee“ gezeigt, dass er ein Gespür für clevere Wendungen und bitterbösen Humor mitbringt. Das zeigt er im dünnen Plot seines wenig einfallsreichen Skripts zu „The Wrecking Crew“ jedoch nur selten. Da bekommt Jonny gleich zu Beginn beim Pinkeln Besuch von Killern der Yakuza, setzt kurz zum infantilen „Schwertkampf“ an – und vermöbelt die Schergen dann bier- und schnapstrinkend solange, bis das Blut spritzt. Eigentlich ziemlich launig, doch das Skript zeigt schnell Angst vor der eigenen Action-Overkill-Courage – und fährt beim zähneknirschenden Aussöhnen der beiden hünenhaften und testosterongeschwängerten Brüder bei einer detailreich gezeigten Beerdigungszeremonie erst einmal mehrere Gänge runter.

Wirkliche „Lethal Weapon“-Vibes kommen abseits des tatsächlich gut harmonierenden, aber auch reichlich hölzernen und unlustigen Grobian-Duos auch deswegen nicht auf, weil brachiale, regelrecht zynische Gewalt und Humor vielfach miteinander verwechselt werden. Zum Lachen ist dem Publikum jedenfalls schwerlich zumute, wenn bei einer mit durchwachsenem CGI angereicherten Verfolgungsjagd durch ein bewaldetes Tal des Insel-Bundesstaats ein Hubschrauber auf den Highway kracht und einem angriffslustigen Motorradfahrer schon mal ein Arm abgerissen wird. Bei dieser größten Actionszene des gesamten Films geht zudem durch ein regelrechtes Schnittgewitter schnell die Übersicht verloren. Auch das Finale ist mit Haken in der Schulter und Schwert im Bauch alles andere als zimperlich – und hält trotz einiger süffisanter Nebenfiguren keinerlei Pointen bereit.

Die größte Actionszene des Films wartet mit einer halsbrecherischen Motorrad-Verfolgungsjagd auf, wird aber durch viel zu schnelle Schnitte, mäßiges CGI und brachiale Gewalt zerstört. MGM / Amazon Prime Video
Die größte Actionszene des Films wartet mit einer halsbrecherischen Motorrad-Verfolgungsjagd auf, wird aber durch viel zu schnelle Schnitte, mäßiges CGI und brachiale Gewalt zerstört.

Stephen Root („King Of The Hill“) hat als stets mahnender Polizei-Detective so seine Momente, wenn er James und Jonny etwa den Spruch drückt, dass sie bei ihrem Aussehen Steroid-Pancakes zum Frühstück essen würden. Auch Morena Baccarin („Deadpool“) gelingt eine vergnügliche Vorstellung als Jonnys temperamentvolle Freundin, die bald umso kampfeslustiger den bösen Buben mit Waffengewalt einheizt. Nur schade, dass der Däne Claes Bang („Wilhelm Tell“) unter seiner albernen Hochsteckfrisur und mit angestrengter Böshaftigkeit in diesem unnötig auf eine Laufzeit von knapp zwei Stunden aufgeblasenen Actionfilm eine regelrechte Witzfigur bleibt.

Fazit: Dave Bautista und Jason Momoa sind ein sichtlich eingespieltes Team – aber agieren anders als versprochen kaum in kurzen (Bade-)Hosen. „The Wrecking Crew“ fehlt bei allen Gewaltexzessen, simplem und tempoarm dahindümpelndem Krimiplot und austauschbarer 08/15-Action von der Stange spürbar jene Leichtigkeit, welche die traumhafte Urlaubskulisse suggeriert.

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