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    Visions
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Visions
    Von Christoph Petersen

    Der umtriebige Produzent Jason Blum (allein 2016 hat er deutlich mehr als zehn Filme in der Pipeline) verfolgt ein in Hollywood einmaliges Konzept: Er gibt durchaus namhaften Genreregisseuren ein Budget von etwa drei Millionen US-Dollar, was deutlich unter dem liegt, was ihnen bei ihren sonstigen Filmen zur Verfügung steht, aber dafür lässt er ihnen im Gegenzug eine im Studiosystem nicht denkbare kreative Freiheit. Seine Rechnung: Wenn ab und an mal ein Film wie „Insidious“, „The Purge“ oder „Sinister“ an den Kinokassen zum Überraschungshit avanciert, ist es für sein Bankkonto nicht weiter schlimm, dass andere Werke wie „Warte, bis es dunkel wird“ oder „Stretch“ direkt als Video on Demand oder bei Streaming-Diensten verramscht werden. Auch „Visions“ von „Saw 3D“-Regisseur Kevin Greutert ist in den USA direkt und ohne jedes Marketing-Trara auf Netflix gelandet – eine nicht allzu schwer nachvollziehbare Entscheidung: Mit Ausnahme seiner cleveren Schlusswendung hat der namhaft besetzte Schwangerschafts-Gruselfilm nämlich rein gar nichts zu bieten.

    Ein Jahr nach einem Autounfall, bei dem eine andere Familie ihr Baby verloren hat, übernimmt die schwangere Eveleigh Maddox (Isla Fisher) mit ihrem Ehemann David (Anson Mount) ein abgelegenes Weingut in Agoura Hills, Kalifornien. Dort dauert es nicht lange, bis Eveleigh von Schreckensvisionen heimgesucht wird. Während ihr Mann und ihr Arzt Dr. Mathison (Jim Parsons) die Halluzinationen auf eine Schwangerschaftsdepression schieben, stellt die junge Frau auf eigene Faust Nachforschungen an, ob es in dem neuerworbenen Anwesen nicht vielleicht früher schon einmal paranormale Vorkommnisse gegeben hat …

    M. Night Shyamalans Megahit „The Sixth Sense“ hätte ohne seinen legendären Schlusstwist sicher nicht ganz so hohe Wellen geschlagen, aber ein Meisterwerk wäre der „Ich sehe tote Menschen“-Thriller trotzdem. Immerhin hatte uns der Film längst in seinen Bann gezogen, als wir schließlich erfuhren, was es mit Bruce Willis auf sich hat! Bei „Visions“ ist das anders, denn die erste Stunde des Films besitzt für sich genommen überhaupt keinen Wert, sie dient einzig und allein dazu, das clevere Finale vorzubereiten: Die Figuren sind öde, die Schockeffekte ausgelutscht, der Plot tröpfelt ohne jeden Drive vor sich hin. Und „clever“ heißt in diesem Fall auch nicht automatisch „gut“: „Visions“ hat eines dieser Enden, das jeder vorher überflüssig wirkenden Szene nachträglich doch noch einen Sinn gibt – aber statt für Spannung oder Staunen zu sorgen, führt das bei uns nur dazu, dass wir dem Drehbuchautor wie einem mit Lego spielenden Vorschüler aufmunternd auf die Schulter klopfen möchten, wie toll er das doch alles zusammengesteckt hat.

    In „Visions“ treten einige Schauspieler auf, deren Namen sich gut auf dem Poster machen – aber auch da steckt kaum etwas dahinter: Die sonst so quirlig-charmante Isla Fisher („Die Unfassbaren“) bleibt in der Hauptrolle völlig blass, während die beiden bekanntesten Gaststars Mini-Rollen übernehmen, die man auch mit unbekannten Statisten hätte besetzen können (wenn man eben nicht noch einen bekannten Namen fürs Cover bräuchte): Eva Longoria („Desperate Housewives“) spielt in eineinhalb Szenen und ohne jede Bedeutung für die Handlung Eveleighs beste Freundin Eileen, während Jim Parsons als Frauenarzt vollkommen fehlbesetzt ist. Wenn er Eveleigh in Sheldon-Cooper-Manier von Schwangerschaftsproblemen und Antidepressiva erzählt, dann ist das derart unfreiwillig komisch, dass die wenigen kurzen Szenen den ganzen Film hätten kaputtmachen können – wenn der nicht schon vor den peinlich-miesen Auftritten des „The Big Bang Theory“-Stars so schlecht gewesen wäre.

    Fazit: Ein cleverer Twist allein ergibt noch lange keinen sehenswerten Film.

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